• Rasenmäher-Land

    11. März 2010

    Na endlich! Wir dachten schon, wir würden keinen Artikel mehr schaffen, so eingespannt, wie wir hier sind. Aber meine liebe Frau hat es dann doch mal geschafft, mir eine Flasche Wein zu kaufen, damit ich endlich mal wieder in Stimmung für einen meiner berühmten Artikel komme. Nun denn, der Wein mundet, die zeitgemäße Musik (Paul Kominek alias Pawel alias Turner) tut ein Übriges und überhaupt läuft es im Moment wie am Schnürchen. Wenn da nicht, na wenn da nicht die deutschen Miesepeter wären, die wir ja nun mal sind. Auch 20.000 Meilen unter dem deutschen Meer finden wir immer noch was, was uns stört. So sind wir nun mal, und warum auch nicht. China war schon ’ne Nummer für sich, und zugegebenermaßen kann Kiwi-Land das nicht mehr steigern, aber auch hier sind wir auf Umstände aufmerksam geworden, die einem guten deutschen Erdenbürger so recht zu denken geben. Mal von der Tatsache abgesehen das, wie in China übrigens auch, keine Sau deutsch spricht, haben sich hier Gewohnheiten breit gemacht, die einen staunen lassen. Davon merkt der gemeine Tourist natürlich nichts, da er sich während seines Aufenthaltes hier mehr aufs Staunen als aufs Wahrnehmen konzentriert. Man will ja schließlich was erleben für sein Geld.

    Der reisewillige Mensch an sich sieht ja in Neuseeland ein Traum-Reiseziel. Damit hat er auch Recht, da es sich in der Tat um ein landschaftlich äußerst reizvolles Fleckchen Erde handelt, wie schon die Bilder der vergangenen Wochen zeigen. Es gibt alles, bis auf wirklich giftige Krabbler oder Kriecher. Berge, Täler, die tasmanische und die pazifische See, einen Horizont, Bäume, Gras und kopulierende Schafe. Die sowieso, natürlich. Es gibt Kultur und Freiluftkonzerte, Sonne, Mond und Sterne und auch das Bier aus Deutschland kann man trinken. Quark kann man selber machen (50% Cottage cheese, 50% griechischer Joghurt) und alles andere lässt sich irgendwie beschaffen, sei es durch Verbindungen ins russische, afghanische oder chinesische Ausland. Die wir natürlich haben, selbstredend. So sind wir also wieder mal gut aufgehoben im Ausland aufgeschlagen. Und das nicht nur dem Anschein nach, wohlgemerkt.

    Das Leben ist wunderbar! Wir hatten in den vergangenen 12 Wochen ganze 1.5 Regentage. Und 743 Schauer, die aber nicht weiter auffallen, wenn man einfach nicht darauf achtet. Aber, und nun endlich zum Thema dieses Artikels, Neuseeland hat eine sehr, sehr dunkle Seite. Etwas, über das man eigentlich nicht schreiben sollte, da die alte Tradition so viele heimliche wie auch offene Anhänger hat und vehement, ja sogar fanatisch gegen Einflüsse aus dem westlichen Ausland verteidigt wird. Kurz und gut, die Wahrheit muss endlich auf den Tisch – die Kiwis sind fanatische Rasenmäher. Es vergeht keine Minute, in der man keinen Rasenmäher hört. Montag bis Sonntag, 7 Tage, 24 Stunden. Man hört das ja nicht gleich nach vier Jahren in Shanghai, weil man selbstredend einen Gehörschaden hat, wenn man aus der Ecke des Planeten kommt, aber nach ein paar Wochen wird einem plötzlich bewusst – hier stimmt doch was nicht! Ich bin noch am recherchieren, ob es eine Kiwi Mowing Association (KMA) gibt, die ein Pendant zur National Rifle Association (NRA) der Amerikaner darstellen könnte. Wir hatten viel Spaß daran, den Gedanken etwas zu überspitzen: So wie die Amerikaner Waffen mit sich rumschleppen und wahllos Leute abknallen, so fahren die Kiwis auf ihren Rasenmähern und mähen wahllos alles nieder, was nicht den vorgeschriebenen Richtlinien entspricht. Es gibt jedenfalls verurteilte Rasenmäherfahrer, die besoffen auf ihrem Vehikel erwischt wurden, es gibt Rasenmäherrennen und so viele Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, dass sich die Mühe lohnt, da mal näher hinzuschauen. Ich hoffe, ich kann euch auf dem Laufenden halten, wie es bei uns mit der Rasenmaeherbeschaffung weitergeht. Wir haben ja auch ein Grundstück mit Rasen drauf, welcher laut Vorschrift im zweiwöchentlichen Turnus niedergemäht wird. Dafür lassen wir im Moment noch jemanden kommen, aber Jana besteht darauf, selber einen Rasenmäher ihr eigen nennen zu können. Solltet ihr Erfahrung mit einem solchen Gerät haben, lasst es uns bitte wissen. Wir haben nämlich keinen Schimmer, und ich befürchte, dass wir am Ende in ein Haus mit größerem Grundstück umziehen müssen, damit Jana auf ihrem Traktor für die Rennsaison üben kann. Oder ich…

    Leider müssen wir hier auf Fotos verzichten, da das Ablichten jeglicher Form des Rasenmähens nicht geduldet wird. Wir arbeiten daran, dies irgendwie zu umgehen, haben allerdings noch keinen blassen Schimmer, wie wir das hinbiegen können.

    Frodo lässt auch grüßen…

  • Neueste Kommentare

    • JanaJ. sagt...

      1

      Lieber André, wenn Du irgendwann einmal Deine Memoaren schreibst, ich werde sie lesen…ich habe herzhaft gelacht und kann mir Euch Beide sehr gut beim legendären Rasenmäherrennen vorstellen. Also wir sind Besitzer eines Aufsitzrasenmäher und Herr Borgwardt hat im vorigen Jahr schon ein paar Erfahrungen sammeln können. Beke ist gern mitgefahren und da es Ihr eigendlich auch viel zu laut ist, hat sie die ganze Zeit gesungen…vielleicht solltet Ihr es mal mit singen versuchen!
      Liebe Grüße und Küsse an Alle Jana

      03/12/10 3:05 AM | Comment Link

    • Marcus Koenig sagt...

      2

      Oje, jetzt werdet ihr bestimmt ausgewiesen nachdem ihr ueber die heimliche Leidenschaft der Kiwis berichtet habt…

      War schoen Euch hier gehabt zu haben 😉 Ich werde hier nicht erwaehnen, das mein zukuenftiger Ex-Kollege freiwillig die unzaehligen Hektar Rasen seiner Nachbarn maeht, nur weils ihm spass macht?! Auch ist er mitglied und unterstuetzer der hiesigen Schusswaffen Vereinigung, nach dem motto, eine bewaffnete Gesellschaft ist eine freundliche Gesellschaft, naja wers glaubt…

      Gruss Marcus

      03/12/10 5:40 PM | Comment Link