• 10.-14.04.09 André in Japan

    14. April 2009

    Manchmal glaubt man, man kennt schon alles, nichts könnte einen mehr überraschen, und dann muss man feststellen, dass es Überraschungen gibt, die man sich nicht wirklich hat ausmalen können. So ging es mir am 17.03. diesen Jahres. Das dies mein Geburtstag ist, wird dem einen oder anderen Leser nicht unbekannt sein. Das ich morgens, mitten in der Woche, faul im Bett lag und mir meine Frau einen kleinen Koffer brachte, dürfte hingegen wenigen bekannt sein. Lange Rede, noch längerer Sinn – ich bekam mein Geburtstagsgeschenk in einem Koffer geschenkt. Im Koffer waren allerlei Dinge wie Ohrstöpsel, ein Schreibblock nebst Stift, eine Augenbinde für den Flieger und, wie auch anders, Flugtickets. Janas Ziel war es nicht, mich endlich loszuwerden, sondern mich für 4 Tage nach Japan zu schicken, damit ich endlich einen schon länger gehegten Traum – ein Kirschblütenfest in Japan – in die Tat umsetzen kann. Wie es der Zufall will, wohnt ein Freund in Osaka, und was liegt da näher, als mich nach Osaka zu schicken, um mich der vertrauensvollen Führung von Chris anzuvertrauen. Nun ist die Geschichte, die Chris und mich verbindet, eine lange Geschichte, und die Pfade, die sie nahm, sind eigentlich einen weiteren Eintrag wert, der sicher einige Seiten umfassen wird. Aber ich habe gerade keinen Bock, darauf detailliert einzugehen. Nur so viel: Wir haben uns vor langer Zeit in Berlin kennen gelernt, und uns vor mehr als 6 Jahren aus den Augen verloren. Dann kam im letzten Jahr eine E-Mail von ihm, die besagte, dass er nun mit seiner Frau Miyuki in Japan lebt.

    Am 10.04. ging es dann morgens los. Mir fiel es etwas schwer, mich von meiner doch schon hochschwangeren Frau zu trennen, aber es war ja schließlich ihre Idee, und das südliche Japan ist, für den geografisch gebildeten Mitteleuropäer, nicht mehr als 2 Flugstunden von Shanghai entfernt. Ruhiger Flug mit der üblichen Stunde Verspätung, auschecken – in Japan werden bei der Einreise Fingerabdrücke genommen – und schon war ich in Japan. Chris wartete bereits seit einer Stunde, dann wurde erst einmal geraucht und die allgemeine Situation erläutert. Nach einigen Zugfahrten – es gibt 4 Bahnbetreiber in Osaka – landeten wir dann bei Chris. Mir ist leider entfallen, wo in Osaka das war, aber das lässt sich für den interessierten Leser durch nachfragen herausbekommen. Da Chris arbeiten musste, war ich für den späten Nachmittag auf mich allein gestellt. Nach kurzer Einweisung ging es zum Osaka Castle, einer schloßähnlichen Anlage im Herzen der Stadt. Errichtet irgendwann im 16. Jh. ist es heute wenig mehr als ein Berg mit ein paar Gebäuden drauf, aber ein paar sehr schönen Gebäuden. Und wenn man das erste Mal in Japan ist, dann ist vermutlich jeder Schloßberg ein Ereignis. Die Kirschblüte tat ein übriges zum positiven ersten Eindruck.

    Nun, nachdem meine erste Bergbesteigung beendet war, machte ich mich auf den Weg zu Chris ins Restaurant, wurde freundlcih durch den Hintereingang hereingelassen und genoß bei Bier und Pizza  (fragt nicht…) noch ein wenig lokale Live-Musik. Auf dem Heimweg dann noch in zwei Bars, bei Chris zu Hause noch etwas geredet, und dann endlich gegen halb drei ins Bett.

    Der nächste Tag fing auch wieder früh an, wir hatten ja schließlich einiges vor. Chris hatte zu meinem Glück volle vier Tage frei. Das gab uns eine Menge Spielraum und Zeit für einige Touren in die nähere wie auch weitere Umgebung von Osaka. Allerdings sei hier hinzugefügt, dass das Kirschblütenfest just zur Zeit meinen Aufenthaltes stattfand. Wer schon mal in Asien unterwegs war, und das auch noch an Feiertagen, hat eine ungefähre Vorstellung davon, was einen erwartet, wenn man sich im Kirschblütenverehrenden Japan an DEN Kirschblütenberg begibt. Yoshino liegt ca. 2 1/2 Stunden mit dem Zug von Osaka entfernt, aber diese 2 1/2 Stunden haben es in sich. Nach unserer Ankunft am Weltkulturerbeberg mit den heiligen Kirschbäumen liefen wir erst einmal ratlos umher, weil wir die vielen Menschenschlangen (Buswarteschlange, Bierwarteschlange, Seilbahnwarteschlange oder ganz einfach Softeiswarteschlange) nicht auseinanderhalten konnten. Aber Japan ist im Vergleich zu dem Land, in dem wir gerade leben, ein ordentliches Fleckchen, so das wir dann die Buswarteschlange fanden, uns anstellten und noch ein paar Meter den Berg rauf fuhren. Da angekommen hatten wir aber genug vom anstehen, und liefen naseweiß einfach los – Fehler!!! Oben angekommen gab es einen schönen Shinto-Schrein (Kimpo) – in seiner Einfachheit kaum zu überbieten –  etwas zu essen, und die Frage, wie wir es wieder runter schaffen können, da der Aufstieg einfach zu anstrengend war.

    Wie man den Bildern entnehmen kann, war es absolut traumhaft da oben. Allein die Tatsache, in Japan zu sein, war schon aufregend genug, aber dann auch noch zur Kirschblüte… Nach dem Abstieg, mit kurzem Zwischstopp im traumhaften Mizu-Wake-Schrein, ging es mit dem Zug wieder zurück in Richtung Osaka. Kurzer Zwischstopp in Imai-Zho, einer alten japanischen Dorfanlage, dann weiter Richtung Osaka.

    Nachdem meine Rückenschmerzen schier unerträglich wurden, habe ich mich von Chris nach zu einem Absacker (Kimchi, Algen und jede Menge Bier) in seiner Hausbar – Sumi’s Nest – überreden lassen. Schöner Tag!

    Ausschlafen, mit Jana telefonieren und schon ging es wieder los. Heute war Himeji, was zwischen Kobe und Hiroshima liegt, dran. Die Burganlage, die auch den Beinamen Shirasagi-jō trägt, was „Weißer Reiher“ bedeutet, wurde im 17. Jh. erbaut und ist die wohl schönste Burganlage Japans. Was man den Bildern evtl. nicht entnehmen kann, sind die Menschenmassen, die auch hier unterwegs waren. Nichtsdestotrotz ein echtes Highlight meines Aufenthaltes in Japan. Kirschbäume, soweit das Auge reicht, und der großartige Bau sind in jedem Fall einen Besuch wert. Das Softeis übrigens auch…

    Nach unserer Rückkehr nach Osaka war erst mal eine kurze Suche nach Geschenken für die Lieben zu Hause an der Reihe. Leider gibt es in China keine Fossil-Läden, so dass mir Chris mit seinem Hinweis, in Osaka gäbe es einen, den Mund wässrig machte. Den Laden haben wir gefunden, aber außer Uhren gab es da nichts weiter. Die Versorgungslage mit Ohrringen in Shanghai ist ja nicht so umwerfend, da nehme ich für Jana schon mal ein paar Stunden Suche auf mich. Kaffee, und dann Nudeln in Namba und dann schon wieder schlafen.

    Am vorletzten Tag ging es nach Kyoto. Leider war hier die Zeit viel zu kurz, um mehr von der Stadt zu sehen. Ich hoffe, die Bilder sprechen für sich. Interessant war vor allem, dass sich junge Japanerinnen mal für einen Tag als Geisha verkleiden, und dann so richtig Spaß daran haben, sich zu fotografieren, und fotografiert zu werden. Mal abgesehen davon, dass dies sicher jede Menge Spaß macht – nein, ich interessiere mich nicht für’s verkleiden – finde ich es, im Vergleich zu China, auch interessant, dass Japaner völlig unkeusch auf Kameras reagieren. Siehe „Eule“ weiter oben. Und nachdem ich ja mit meiner D90 noch keinerlei Erfahrungen sammeln konnte, war diese Reise auch sehr gut geeignet, mich mit meiner neuen Kamera anzufreunden. Leider habe ich die Bedienungsanleitung erst danach gelesen. Ich gelobe Besserung!

    Der letzte Tag war sehr entspannt und klang ohne weitere  Ereignisse aus. Chris brachte mich noch mit dem Bus bei strömendem Regen zum Flughafen, und schon war ich wieder weg. Fazit: Japan ist definitiv jede Reise wert. Danke Chris! Danke auch Miyuki, mit der ich leider viel zu wenig Zeit verbringen konnte, da sie zu sehr beschäftigt war.

  • Neueste Kommentare

    • Chris sagt...

      1

      Auch ich habe mich riesigueber den Besuch von Andre in Japan gefreut und bedanke mich nochmal bei der werdenden Mama fuer die vier tollen Tage.
      Um den Reisebericht noch richtig zustellen und zu ergaenzen. Das kleine Dorf am zweiten Tag heisst Imai-cho. Cho bedeutet Stadt, oder Stadtteil. Die Burg in Himeji ist eigentlich nur unter ihrem Namen Himeji-jo (jo=Burg, wer haette das gedacht) bekannt. Wie richtig bemerkt ist „der weisse Reiher“ nur ein Beiname, weil sie wie ein solcher prunkvoll ueber der Ebene thront.
      In Kyoto, wo wir dann aus Erschoepfung unser Zugfahrtraining aufgegeben haben und uns schnoede mit dem Taxi fortbewegten, besuchten wir zuerst den Tempel (siehe Bild Tempel oder Schrein) Kyomizu, was sich mit „Reiner Quelle“ uebersetzen laesst. Am Fusse des Tempels gibt es eine kleine Solche, die beim Trinken des Wassers Glueck fuer Liebende verheissen soll.
      Nach einem kurzen Spaziergang durch das noch alte erhaltene Stadtviertel Gion, haben wir das Ni-jou-jo besichtigt. Aufmerksame leser wissen jetzt „jo“ aha, kann sich nur um eine Burg handeln. Richtig! Eine Stadtresidenz des ersten Tokugawa-Shogun (Vorbild fuer Shogun Toranaga aus der Fernsehserie). Zum Abschluss des Tages dann, wie aus den Bildern eindrucksvoll zu entnehmen, der Goldene Tempel. Wie sein Pedant der Silberne Tempel einst kleine Luxuspavillons des Adels.
      In Kyoto waere wirklich noch vielmehr zu sehen gewesen, aber das heben wir uns fuers naechste mal auf.

      Liebe Gruesse aus Osaka,

      Chris und Miyuki

      05/10/09 6:13 PM | Comment Link